Pädagogische Hochschule Freiburg

Hauptvorträge

Wir freuen uns zur 45. Jahrestagung für Didaktik und Mathematik vom 21.-25.02.2011 an der Pädagogischen Hochschule in Freiburg folgende GastrednerInnen begrüßen zu dürfen:

Donnerstag, 24.02.2011, 11.30 Uhr
Angelika Bikner-Ahsbahs, Universität Bremen

Epistemisch handeln können – aber wie?
Zum epistemischen Handeln gehört, Erkenntnisbedürfnisse oder -interessen zu mathematischen Fragestellungen in Handlungen zur Konstruktion mathematischen Wissens zu übersetzen, zu mathematischem Wissen zu gelangen und dieses auszudehnen. Wie aber laufen solche epistemischen Handlungsprozesse ab? Was treibt sie an? Welche Bedingungen wirken sich fördernd und welche behindernd aus? Diese Fragen werden in dem deutsch-israelischen Projekt „effective knowledge construction in interest-dense situations“ (gefördert von der  German-Israeli Foundation) durch eine Vernetzung zweier epistemischer Handlungsmodelle untersucht. Erste Ergebnisse liegen bereits vor, sie sollen in diesem Vortrag  vorgestellt und in aktuelle Strömungen zum Mathematiklernen eingebettet werden.

Dienstag, 22.02.2011, 18.00 Uhr
Prof. Dr. Elisabeth Rathgeb-Schnierer, PH Weingarten
Warum noch rechnen, wenn ich die Lösung sehen kann?
Hintergründe zur Förderung flexibler Rechenkompetenzen bei Grundschulkindern
Die Notwendigkeit der Förderung flexibler Rechenkompetenzen im Mathematik-unterricht der Grundschule ist unumstritten und über die Zielrichtung des Mathematiklernens besteht Konsens: Kinder sollen nicht zu mechanischen Rechnern trainiert, sondern zum flexiblen Rechnen herausgefordert werden. Was bedeutet dies aber konkret? Was verstehen wir unter flexiblen Rechenkompetenzen, worin zeigen sich diese und wie können sie von Anfang an gefördert werden? Diese Fragen werden ganz unterschiedlich beantwortet und die Antworten spiegeln sich in verschiedenen Ansätzen zur Förderung flexibler Rechenkompetenzen im Mathematikunterricht sowie in Schulbüchern wider.
Die unterschiedlichen Herangehensweisen an das flexible Rechen lassen sich mitunter darauf zurückführen, dass bislang keine zusammenhängende Theorie zum Rechnenlernen vorliegt, die allgemeine Akzeptanz findet. Sowohl Forschungsarbeiten als auch die didaktische Diskussion zum flexiblen Rechnen stützen sich auf unterschiedliche theoretische Modelle, die zu einem jeweils anderen Blick auf den Sachverhalt führen.
Die verschiedenen theoretischen Perspektiven und Folgerungen für das Rechnenlernen sind Gegenstand des Vortrags. Dabei werden neben Aspekten aus der Forschung und der mathematikdidaktischen Diskussion auch Möglichkeiten für die Unterrichtspraxis aufgezeigt.

Dienstag, 22.02.2011, 11.30 Uhr
Prof. Dr. Markus Vogel, PH Heidelberg
„Stochastik reloaded“ – Die unterrichtliche Arbeit mit Daten und Zufall in der veränderten Perspektive neuer Bildungsstandards
Bis in die 90er Jahre hinein begann der Stochastikunterricht – sofern er in den curricularen Rahmenrichtlinien der verschiedenen Bundesländer überhaupt verbindlich festgeschrieben war – in der Regel mit der Wahrscheinlichkeitsrechnung und Fragen der Kombinatorik. Die unterrichtliche Arbeit mit Daten wurde zwar von Vertretern der Stochastikdidaktik bereits diskutiert, in der Breite der unterrichtlichen Umsetzung spielte sie jedoch bestenfalls eine nachgeordnete Rolle und erschöpfte sich meist in der Darstellung und Interpretation von Diagrammen. Die nationalen Bildungsstandards der Kultusministerkonferenz für die Primarstufe und die Sekundarstufe verlagern dagegen den Schwerpunkt: Die unterrichtliche Arbeit umfasst danach neben dem Wahrscheinlichkeitsbegriff den gesamten Zyklus von Datenerhebung, Datenanalyse und Datenauswertung, wobei die Verwendung neuer technologischer Möglichkeiten explizit gefordert wird.  Mit diesen Neuerungen ist kein Automatismus hin zum Besseren verbunden, vielmehr stellen sich neue Fragen an die unterrichtliche Umsetzung wie auch die didaktische Forschung. Im Vortrag werden anhand ausgewählter Beispiele Chancen und Gefahren für den Mathematikunterricht und Aspekte resultierender didaktischer Forschungsfragen vorgestellt.

Freitag, 25.02.2011, 11.30 Uhr
Prof. Dr. Alexander Renkl, Albert-Ludwigs-Universität Freiburg
Aktives Lernen in Mathematik: Von sinnvollen und weniger sinnvollen Konzeptionen aktiven Lernens
Viele instruktionale Maßnahmen oder Methoden für das Mathamatiklernen werden unter anderem damit begründet, dass sie zu aktivem Lernen auf Schülerseite führen (z.B. "Inquiry-Ansätze" oder Gruppenarbeiten). Doch was ist mit aktivem Lernen genau gemeint und ist es immer sinnvoll? Oder anders formuliert: Welche Formen aktiven Lernens sind sinnvoll? In diesem Beitrag werden drei Auffassungen (Perspektiven) zu "aktivem Lernen" diskutiert. Die Perspektive des aktiven Tuns wird typischerweise von sozio-konstruktivistischen Ansätzen eingenommen. Offene Lernaktivitäten wie etwa aktives Problemlösen, Hands-on-Aktivitäten oder eine fachliche Diskussion mit Peers werden als besonders lernförderlich betrachtet. Aus der kognitionspsychologisch "inspirierten" Perspektive der aktiven Verarbeitung ist hingegen vor allem die tiefe Verarbeitung von Information bzw. von Lernstoff entscheidend. Die Perspektive der fokussierten Verarbeitung differenziert die letztgenannte Perspektive insofern aus, als dass nicht aktive Verarbeitung an sich, sondern die aktive Verarbeitung der zentralen Konzepte und Prinzipien als wichtigstes Merkmal effektiven Lernens angesehen wird. Diese drei genannten Perspektiven werden in theoretischer und empirischer Hinsicht evaluiert. Vieles spricht für die Perspektive der fokussierten Verarbeitung, deren instruktionale Konsequenzen herausgestellt werden.

Mittwoch, 23.02.2011, 11.30 Uhr
Kaye Stacey, University of Melbourne
Integrating Mathematically-Able Software into Teaching Mathematics
After several decades of having some presence in many schools, the place of computer and calculator technology in teaching mathematics is still contested and still evolving. There are many different ways in which computers and calculators can be used in teaching mathematics, including for presentation of exercises, in the form of demonstration applets to illustrate a mathematical phenomenon or explanation, and as an electronic aid to carry out mathematical algorithms on demand. This talk will focus on research into the latter use, which is apparently the most straightforward but simultaneously the most challenging and contentious use. As an additional tool for doing mathematics, the availability of technology can stimulate change to the intended curriculum, to the assessment, and also to the teaching and learning process.  I will report briefly on its impact to curriculum and assessment, but discuss more fully our research on how teaching and learning may change, and the processes of teacher professional development that affect these changes. Technology provides pedagogical opportunities to change the mathematical tasks with which students engage, to change characteristics of classroom processes, and to change the student’s view of mathematics as a discipline. Research on how to ensure that these potential changes are in fact beneficial will be surveyed.

Montag, 21.02.2011, 15.30 Uhr
Ekkehard Klieme, Deutsches Institut für Internationale Pädagogische Forschung Frankfurt
Was ist guter (Mathematik-) Unterricht? - Ergebnisse und Perspektiven einer fachbezogenen empirischen Forschung jenseits von Bildungsstandards
Schlagworte wie "kompetenz- und standardorientierter Unterricht" oder "individuelle Förderung" kennzeichnen den aktuellen "mainstream" der Vorstellungen über guten Unterricht im pädagogischen und bildungspolitischen Bereich. Sie suggerieren, dass guter Unterricht mit bestimmten Instrumentarien und Techniken, z.B. Bezug auf Bildungsstandards und deren Aufgabenkonzepte oder Techniken der Individualisierung, erreicht werden kann. Vieles spricht dafür, dass eine verstärkte Aufmerksamkeit für solche Instrumente tatsächlich zu positiven Trends auch im Bereich des Mathematikunterrichts, wie PISA sie unlängst berichten konnte, beigetragen hat. Diese Entwicklung konnte mitunter durch Projekte wie SINUS oder die Einführung von Vergleichsarbeiten angeregt werden.
Allerdings muss eine pädagogisch und fachdidaktisch reflektierte, unter Rückgriff auf psychologische Erkenntnisse ausformulierte und empirisch überprüfte Konzeption guten Unterrichts stärker in die Tiefe gehen. Wie schon J. Kounin in seinen bahnbrechenden Videostudien über Klassenführung, muss man über die instrumentell/technische Ebene hinaus gehen, um die Tiefendimensionen der Unterrichtsqualität zu identifizieren.
Der Vortrag präsentiert die Theorie der Basisdimensionen guten Unterrichts, die der Autor, ausgehend von der TIMSS-Videostudie, vor allem in Untersuchungen zum Mathematikunterricht entwickelt hat. Guter Unterricht lässt sich demnach beschreiben durch (1) Strukturierte Klassenführung, (2) unterstützendes und wertschätzendes Klima sowie (3) herausfordernde, kognitiv aktivierende Inhalte und Aufgabenstellungen. Vor allem der dritte Faktor ist sehr stark fachdidaktisch bestimmt. Im Vortrag wird auch diskutiert, inwieweit sich diese Dimensionen ausdifferenzieren, welche Wirkungen auf Lernprozesse sie entfalten, ob sich neben der Dimensionierung auch eine Stufung von Unterrichtsqualität angeben lässt, und inwieweit all dies je nach Zeitperspektive (Mikrogenese des Wissens vs. langfristiger Kompetenzaufbau) unterschiedlich aussieht.
Die Beispiele stammen vor allem aus DFG-Projekten zur Einführung in die Satzgruppe des Pythagoras.


Hauptvortraege_GDM2011.pdf