Pädagogische Hochschule Freiburg

Fehler können produktiv sein! - Wenn Schüler/innen ohne vorhergehende Instruktion Lösungsansätze generieren

von Katharina Westermann, Nikol Rummel & Lars Holzäpfel
Name der Institution: Ruhr-Universität Bochum
Art des Beitrags: Vortrag
Keiner Sektion zugeordnet

Lernformen, die selbstständiges und entdeckendes Arbeiten ermöglichen, kommt im Mathematikunterricht eine große Bedeutung zu (z.B. Freudenthal, 1991; Winter, 1983). Dabei kommt es in der Regel zu Schülerfehlern, die nicht unmittelbar korrigiert werden. Die Frage inwieweit diese Fehler problematisch sind oder sogar förderlich für das weitere Lernen sein könnten, steht im Zentrum dieses Forschungsprojekts. Hierbei stützen wir uns insbesondere auf interessante Befunde des Productive Failure Ansatzes (z.B. Kapur, 2009): In diesem Ansatz versuchen Lernende zunächst Lösungswege für einen noch unbekannten mathematischen Inhalt (beispielsweise Standardabweichung) zu finden. Dabei verfolgen die Schüler/innen zwar in der Regel fehlerhafte Lösungsansätze, jedoch scheinen sie durch das eigenständige Nachdenken besonders gut für nachfolgende Instruktion vorbereitet zu sein: Kapur und Kollegen (Kapur, 2009; Kapur & Bielaczyc, accepted) sowie Schwartz und Kollegen (Schwartz & Martin, 2004) konnten in mehreren Studien zeigen, dass Schüler/innen, die zunächst selbstständig Lösungsansätze generierten, ehe sie Erklärungen durch die Lehrperson erhielten, in Nachtests deutlich besser abschnitten als diejenigen der Kontrollgruppe, die zunächst Instruktion erhielten und nach der Erklärung durch die Lehrperson Übungsaufgaben bearbeiteten. Offenbar bieten die selbstständigen Problemlöseversuche eine furchtbare Grundlage, um die konzeptuellen Aspekte des neuen Inhalts in der anschließenden Instruktionsphase nachzuvollziehen. Bislang wurde der Productive Failure Ansatz hauptsächlich in Singapur, Indien und den USA untersucht. In einem aktuellen Forschungsprojekt untersuchen wir, ob sich dieser Lernansatz auch mit deutschen Schüler/innen bewährt. In unseren experimentellen Studien fragen wir zugleich nach den Wirkmechanismen für seine Effektivität. Auf der Tagung stellen wir den Lernansatz detaillierter vor und möchten die mögliche Lernförderlichkeit fehlerhafter Lösungsansätze diskutieren.

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