Pädagogische Hochschule Freiburg

Mathematisches vs. fächerübergreifendes Problemlösen - individuell und kooperativ

von Thomas Gawlick
Name der Institution: Leibniz Universität, IDMP
Art des Beitrags: Vortrag
Zugeordnet der Sektion: Mathematisches Problemlösen - individuell und kooperativ

Problemlösen ist traditionell ein theoretischer (Polya 1949) und empirischer (Schoenfeld 1985) Forschungsgegenstand der Mathematikdidaktik – und auch ein zentraler Bestandteil mathematischer Begabungsförderung, daher sind Tests zur Bestimmung der mathematischen Problemlösekompetenz von Interesse - als Auswahlkriterium wie als Prädiktor des Fördererfolgs. Zur Teilnehmerauswahl einer Begabtenförderung (MALU) wurden die allgemeine und die mathematische Begabung (CFT-20R, Indikatoraufgaben aus Käpnick 1998) von 684 gymnasialen Fünftklässlern erhoben. Die Varianzaufklärung des individuellen wie des kooperativen Problemlöse-Erfolgs bei ausgewählten Problemaufgaben ist jedoch unbefriedigend und bleibt hinter der durch die Mathematik-Vornote (als Indikator für Vorwissen) zurück. Vergleichbare Ergebnisse zeigte die nationale PISA - Ergänzungsstudie zum fächerunabhängigen Problemlösen ( Kunter et al. 2005) sowie die Studie von Rudolph-Albert & Kessler (2006), die im Vergleich zur MALU-Studie diskutiert werden. Ein Erklärungsansatz ist, dass das „klassische“ mathematische Problemlösen sowohl das Finden als auch das Elaborieren eines Lösungswegs über eine längeren Zeitraum beinhalten, also neben schlussfolgerndem Denken auch argumentative und metakognitive Kompetenzen erfordern. Demgegenüber ist die Bearbeitungszeit pro Item bei PISA und in üblichen Begabungstests vergleichsweise kurz und es werden durchgängig keine Begründungen der Lösungen eingefordert. Insoweit durch solche Indikatoren der Problemlöseerfolg nur unzureichend vorhergesagt werden kann, liegt es nahe, mathematisches Problemlösen als eigenständiges Konstrukt aufzufassen.

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